Die Insolvenzzahlen in Deutschland erreichen 2026 ein Niveau, wie es seit rund einem Jahrzehnt nicht mehr zu beobachten war. Wer die Entwicklung genauer betrachtet, erkennt schnell: Die eigentliche Ursache liegt selten in mangelnder unternehmerischer Substanz oder tragfähigen Geschäftsmodellen. Sie liegt in der finanziellen Widerstandsfähigkeit der Unternehmen selbst – und genau hier zeigt sich derzeit die größte Verwundbarkeit des deutschen Mittelstands.
Ein Blick auf die bundesweite Entwicklung
2025 registrierte das Statistische Bundesamt 24.064 Unternehmensinsolvenzen – ein Anstieg von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit 2014. Auch im laufenden Jahr setzt sich diese Entwicklung fort: Nach Berechnungen der Creditreform Wirtschaftsforschung stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2026 um 7,8 Prozent auf rund 12.900 Fälle.
Die Faktoren verstärken sich dabei gegenseitig: mehrjährige wirtschaftliche Stagnation, gestiegene Energie- und Rohstoffpreise infolge geopolitischer Krisen sowie anhaltend hohe Kosten und regulatorische Anforderungen. Besonders deutlich zeigt sich der Druck bei jungen Unternehmen im Alter von ein bis vier Jahren – jener Phase, in der finanzielle Reserven typischerweise noch am geringsten ausgeprägt sind.
Die eigentliche Schwachstelle: die Eigenkapitalbasis
Häufig ist es nicht die Auftragslage, die Unternehmen in Schieflage bringt, sondern eine zu dünne Eigenkapitaldecke. Diese Schwäche wirkt sich unmittelbar auf die Finanzierungsfähigkeit aus – ob bei der Überbrückung angespannter Marktphasen, bei Investitionsvorhaben oder bei der Regelung einer Unternehmensnachfolge. Banken selbst fordern angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit inzwischen wieder eine deutlich solidere Eigenkapitalausstattung, bevor sie Kredite vergeben.
Daraus entsteht eine Dynamik, aus der sich viele Unternehmen ohne gezielte Unterstützung kaum befreien können: Wer über wenig eigenes Kapital verfügt, erhält schwerer Zugang zu Fremdkapital – und ohne Fremdkapital lassen sich weder Wachstumschancen realisieren noch Krisenphasen souverän überstehen.
Stimme aus der Praxis: „Der Markt selektiert nach freier Liquidität“
Wie sich das konkret auswirkt, erlebt Raul Comesaña Macias, Geschäftsführender Gesellschafter der BBF Gruppe, aus zwei Perspektiven. Die BBF Gruppe finanziert ihr eigenes Wachstum mit Beteiligungskapital der MBG. Zugleich übernimmt sie seit knapp zwei Jahren Betriebe, denen genau dieser Strukturierungsschritt gefehlt hat.
„Bei diesen Zukäufen sehen wir kaum operative Ausfälle. Wir sehen intakte Kernprozesse, volle Auftragsbücher und auskömmliche Bruttomargen. Was fehlt, ist eine Eigenkapitaldecke, die verlängerte Zahlungsziele, notwendige Investitionen oder unvorhergesehene Risiken abfedert. Der Markt konsolidiert derzeit nicht nach operativer Qualität. Er selektiert nach freier Liquidität.“
Die Ursachen der schwachen Kapitalbasis sieht er auch außerhalb der Betriebe. Eigenkapital entsteht aus einbehaltenen Gewinnen. Diese Liquidität fehlt jedoch, wenn öffentliche Auftraggeber Rechnungen strukturell verspätet begleichen, wenn Steuerguthaben blockiert werden, während fällige Steuern sofort eingefordert werden, oder wenn wachsende Berichtspflichten unvergütete Arbeitszeit binden. Für ihn ist die Eigenkapitalschwäche des Mittelstands deshalb „keine rein natürliche Marktentwicklung“, sondern oft das Ergebnis von administrativer Überlastung und gebundener Liquidität.
Mehr Substanz für den Mittelstand
Als Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Berlin-Brandenburg (MBG BB) begleiten wir seit 1993 Unternehmen der Region. Mit unserem Beteiligungskapital, in der Regel als stille Beteiligung ausgestaltet, stärken wir die wirtschaftliche Eigenkapitalbasis, ohne in die operative Führung einzugreifen. Das dafür eingesetzte Kapital wirkt wie ein Hebel: Es erleichtert Bankgespräche und eröffnet Finanzierungsspielräume, die andernfalls verschlossen blieben.
„Es handelt sich nicht um Subventionen, sondern um verzinstes Kapital. Das ist strukturierte Unternehmensfinanzierung auf Augenhöhe.“ – Raul Comesaña Macias
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